Einen Moment lang zog ich eine Parallele zur Kernspaltungskettenreaktion mit ihrer „kritischen Masse”. Würde ein Schulterschluss, der ein kritisches Maß überschreitet, zur Schulterschmelze führen?
Was ist ein „kritischer Schulterschluss”?
Nicht das, wonach es klingt.
Ein Orthopäde bezeichnet damit nicht eine Fehlstellung der Schulterblätter, ein Metzger nicht einen Versorgungsengpass an Schweineschultern.
Das Moment der Kritik wurde hier nicht umsonst sprachlich halbherzig verarbeitet.
Schulterschlussendlich leuchtete mir ein, dass hier lediglich einem Kritiker per Umarmung suggeriert wird, dass er doch prinzipiell auf der Linie des Kritisierten liegt. Das ewige Kritisieren, so offenbart der Redner, sei nur die auch in Zukunft ertragbare Begleitmusik des vom Redner dominierten Miteinanders.
Rhetorisches Voodoo: verwandele dein Gegenüber in ein Nebeneinander.
Der kritische Sprachgebrauch hat daher sicher eine große Zukunft.



